Israel

Israel hat in der jüdischen Religion einen zentralen Stellenwert. Auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels und der Zerstreuung des jüdischen Volkes in die Diaspora, haben Jüdinnen und Juden die Hoffnung niemals aufgegeben, in das ihnen verheißene Land zurückzukehren. Diese Hoffnung spiegelt sich in Gebeten, Gebräuchen und Ritualen wider. Aber wie ist das heutige Israel entstanden? Wer sind „die Zionisten“? Und was hat das alles mit dem Nahostkonflikt zu tun, der so oft in den Nachrichten auftaucht? Talmud

Das Land Israel

Nach der Zerstörung des Zweiten Tempels vor gut 2000 Jahren lebte das jüdische Volk zerstreut in aller Welt. Die Rückkehr ins Land Israel, nach Eretz Israel, war über die Jahrhunderte hinweg eine stets präsente Hoffnung. Die Machthaber über das Land wechselten, von den Römern über islamische Herrscher, christliche Kreuzfahrer bis zu den Osmanen. Jüdinnen und Juden lebten in geringer Zahl weiter in Eretz Israel. Immer wieder gab es auch Juden, die sich auf den Weg machten, nach Eretz Israel zurückzukehren, wie zum Beispiel Rabbi Jehuda Hehasid, der mit vielen Hunderten Anhängern im Jahr 1700 d.Z. nach Jerusalem kam. Eine jüdische Nationalbewegung entstand aber erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Tora

Zionismus

In Europa entstanden im 19. Jahrhundert viele neue Nationalstaaten, wie Belgien, Griechenland, Italien und auch Deutschland. Auch die Juden in den verschiedenen Ländern Europas begannen, sich in Gruppen, die „Chibbat Zion“ genannt wurden, zu sammeln und die Auswanderung nach und Ansiedlung in Palästina anzutreiben. Vor allem die gewaltsamen Ausschreitungen gegen Juden, sog. Pogrome, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in Osteuropa ereigneten, brachten immer mehr Juden dazu, nach einer nationalen Lösung zu suchen, also ein eigenes Land, in dem sie sicher leben könnten. Der Begriff Zionismus wurde 1890 von dem in Wien geborenen Schriftsteller und Intellektuellen Nathan Birnbaum geprägt. „Zion“ ist ein Hügel in Jerusalem, der der Sitz König Davids war, das Wort diente über die Jahrhunderte weg auch als Synonym für das Land Israel und Jerusalem. Der Begriff Zionismus setzte sich schnell durch und ist seitdem der Name für die jüdische Nationalbewegung.

Anhänger der Chibbat Zion Bewegung bei einer Konferenz in Kattowitz, 1884

Auch wenn es bereits viele Anhängerinnen und Anhänger des Zionismus gab und auch verschiedene Vordenker, die ihre Pläne auch aufgeschrieben haben, war der Zionismus noch keine politische Bewegung. Das hat sich erst mit Theodor Herzl geändert.

Herzl wurde 1860 in Budapest geboren, wuchs später in Wien auf und wurde Journalist und Theaterautor. Schon während des Studiums und später bei seiner Arbeit für die Zeitung erlebte er immer wieder Antisemitismus, was schließlich den Gedanken in ihm wachsen ließ, dass nur ein eigener Staat für die Juden dem Antisemitismus ein Ende setzen würde. Er verfasste ein Buch mit seinem Plan, das 1896 unter dem Titel „Der Judenstaat“ erschien. 1897 berief Herzl den ersten Zionistenkongress ein, der in Basel stattfand und alle Anhängerinnen und Anhänger des Zionismus aus ganz Europa versammelte. Das gilt als Startpunkt des politischen Zionismus.

Herzl starb 1904, aber die Zionistische Bewegung, die er geschaffen hatte, arbeitete weiter daraufhin, einen Staat für die Juden in Palästina zu gründen. An Theodor Herzl wird auch heute noch in Israel gedacht und er wird mit dem Zusatz „Prophet des Staates“ geehrt. Alle kennen sein Motto: „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“.

Mandatszeit

Bis zum Ersten Weltkrieg war Palästina unter osmanischer Herrschaft, die mit dem Sieg der Briten ihr Ende fand. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches wurden auch die Gebiete der Region aufgeteilt. Palästina wurde unter ein Völkerbundsmandat gestellt, das die Briten erhielten. Großbritannien war also für Palästina verantwortlich.

In Palästina lebten 1918 ca. 56.000 Juden und 600.000 Araber. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Jüdinnen und Juden ins Land. Sie flüchteten vor Verfolgung in Osteuropa oder kamen aus Überzeugung für die zionistische Sache. Nachdem in Deutschland 1933 die Nationalsozialisten an die Macht gelangten, kamen vermehrt Jüdinnen und Juden aus Deutschland nach Palästina. Die vermehrte Einwanderung führte in Palästina zunehmend zu Unruhen in der arabischen Bevölkerung. Es gab sowohl kulturelle als auch religiöse Vorbehalte gegenüber den europäischen Einwanderern, vor allem aber drehten sich die Konflikte sehr bald um das Land. Die jüdischen Einwanderer erwarben Land legal von arabischen Großgrundbesitzern, was aber dazu führte, dass die arabischen Pächter ihr Land verloren.

Die britische Regierung begrenzte die jüdische Einwanderung immer weiter, konnte damit aber die Probleme nicht in den Griff bekommen. Einerseits wuchs der Druck, die Einwanderung zuzulassen, vor allem während des Zweiten Weltkriegs als in Europa Juden verfolgt und ermordet wurden. Andererseits nahm auch der Widerstand in der arabischen Bevölkerung Palästinas zu und es kam zu Aufständen mit gewaltsamen Übergriffen auf Juden.

Die Politik der Briten führte dazu, dass Tausende Juden aus Europa versuchten, illegal nach Palästina zu gelangen. Immer wieder wurden Schiffe mit den jüdischen Einwanderern abgefangen und zur Umkehr gezwungen. So zum Beispiel das Schiff Exodus, das 1947 mit 4500 Holocaust-Überlebenden an Bord unterwegs nach Palästina war und von den Briten gewaltsam an der Einfahrt in den Hafen von Haifa gehindert wurde. Die Passagiere wurden zurück nach Deutschland gebracht und dort in einem Lager interniert.

Die Exodus bei ihrer Ankunft im Hafen Haifa, 20. Juli 1947

Als schließlich klar wurde, dass sich die Situation nur weiter zuspitzen würde, brachten die Briten die Palästinafrage vor die Vollversammlung der Vereinten Nationen, die daraufhin einen Teilungsplan für das Land ausarbeitete. Danach sollte Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat aufgeteilt werden. Der jüdische Staat sollte die Küstenebene, einen Teil Galiläas und die Negev-Wüste enthalten, was zwar ein wenig mehr als die Hälfte der Fläche ausmachte, die Negev Wüste wurde in jenen Jahren jedoch noch nicht für Landwirtschaft genutzt.

Während der überwiegende Großteil der jüdischen Organisationen in Palästina den Plan begrüßte und feierte, lehnten die arabischen Länder in den Vereinten Nationen den Plan strikt ab. Sie lehnten einen jüdischen Staat grundsätzlich ab und kritisierten außerdem die Aufteilung.

Am 29. November 1947 wurde abgestimmt und der Plan angenommen.

Auf den Straßen Tel Avivs und Jerusalems feierten Jüdinnen und Juden im Land. Die arabische Seite lehnte den Plan weiter ab, das Arabische Hochkomitee rief einen Generalstreik aus und in den kommenden Monaten kam es zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen.

Die Gründung des Staates Israel

Nach dem Beschluss des Teilungsplans hatten die Briten angekündigt, das Mandat über Palästina zurückzugeben. Der Jüdische Nationalrat, die Regierung der jüdischen Bevölkerung im Land, entschloss sich daher, am Abend zuvor, einen jüdischen Staat auszurufen.

Diese Szene ist tief im nationalen Gedächtnis des Landes verwurzelt und jedes Kind kennt das Bild, wie David Ben Gurion stehend zwischen seinen Ministern und unter einem Porträt von Theodor Herzl die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel verliest. Der Staat Israel war geboren, am 14. Mai 1948.

David Ben Gurion verliest die Unabhängigkeitserklärung, Foto: GPO / CC BY-SA 3.0

David Ben Gurion wurde Israels erster Premierminister. Viele Staaten erkannten Israel sogleich an, darunter die USA. Nicht so die arabischen Nachbarsstaaten. Im Gegenteil, noch in der Nacht marschierten arabische Armeen aus Ägypten, Jordanien, Syrien, dem Libanon und Irak in Israel ein. Der gerade gegründete Staat musste sich verteidigen und um seine Existenz kämpfen.

Dieser erste in einer langen Reihe von Kriegen mit den arabischen Nachbarstaaten wird in Israel als „Unabhängigkeitskrieg“ bezeichnet. Er dauerte ein Jahr und Israel hatte im Laufe des Krieges sein Staatsgebiet um etwa ein Drittel vergrößert. Ein eigener Staat Palästina wurde nicht gegründet. Der Osten wurde dagegen Jordanien zugesprochen und wird seitdem als Westjordanland bezeichnet. Der Gazastreifen fiel Ägypten zu und Jerusalem, das eigentlich international verwaltet werden sollte, wurde geteilt, der Osten fiel Jordanien zu, der Rest Israel.

Auf die Waffenstillstandsabkommen folgten keine Friedensverträge. Die arabischen Nachbarn wollten Israel weiter nicht anerkennen. Ein Zustand, der teilweise bis heute andauert.

Schon in den Monaten vor Ausbruch des Krieges und dann vor allem währenddessen kam es zur Flucht der arabischen Bevölkerung Palästinas. Sie floh vor allem vor den Kriegshandlungen, es kam aber auch zu Vertreibungen während des Krieges. Insgesamt wurden etwa 700.000 Araber zu Flüchtlingen, das entsprach 85% der arabischen Bevölkerung auf dem Gebiet, das zu Israel wurde. Sie flohen in die Nachbarstaaten und blieben überwiegend in Flüchtlingslagern, in der Hoffnung, irgendwann zurückkehren zu können. In der arabischen Welt wird nicht vom „Unabhängigkeitskrieg“ oder „Palästina-Krieg“ gesprochen, sondern von „al-Nakba“, der „Katastrophe“, denn für das palästinensische Volk bedeutete der Verlust der Heimat eine große Katastrophe.

Palästinensische Flüchtlinge in Galiläa, Oktober/November 1948, Foto: Fred Csasznik

Doch auch Juden wurden in diesen Jahren zu Flüchtlingen, Juden, die in arabischen Ländern lebten. Immer wieder war das scheinbar friedliche Zusammenleben von Araber und Juden in Ländern wie dem Irak oder Syrien durch gewaltsame Ausschreitungen gegen Juden gestört. So zum Beispiel 1941 als während der Farhud in Bagdad etwa 180 jüdische Bewohner der Stadt ermordet wurden. Der Unabhängigkeitskrieg führte zu weiteren Gewaltakten, Enteignungen und Vertreibungen von Juden aus arabischen Ländern. Nach 1948 verließen etwa 800.000 Juden ihre Heimatländer Ägypten, Jemen, Libanon, Marokko, Algerien, Tunesien, Irak und Libyen und kamen nach Israel.

Eine jüdische Familie aus dem Jemen auf dem Weg zu einem Auffanglager, 1949, (c) Zoltan Kluger, National Photo Collection Israel

Das alles ist die Grundlage für einen Konflikt, der auch heute noch nicht gelöst ist. Und das alles ist auch die Grundlage, auf der der neu gegründete Staat Israel sich etablieren musste.

Zwischen Kriegen und Normalisierung

Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich die Bevölkerung. Bis 1951 wanderten etwa 330.000 Schoa-Überlebende und 350.000 Juden aus arabischen Ländern, der Türkei und dem Iran ein. Eine weitere Einwanderungswelle brachte zwischen 1955 und 1957 165.000 Juden, vor allem aus Nordafrika, ins Land . Der Anteil von Juden aus arabischen Ländern wuchs beständig und betrug schließlich 1965 50 Prozent der jüdischen Bevölkerung Israels, die zuvor von Juden aus Europa geprägt war.

Alle diese Menschen benötigten Wohnungen, Arbeit, Krankenversicherung und Schulen, Israel musste in den ersten Jahren nach seiner Gründung enorme Aufbauarbeit leisten. Aber der Staat konnte sich etablieren und die Anforderungen meistern.

Immer wieder kam es im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu neuen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den arabischen Nachbarn:

1956 – Suez-Krieg: Nach einem Konflikt um dem Suezkanal und dessen Sperrung für israelische Schiffe durch Ägypten.
1967 – Sechs-Tage-Krieg: Israel greift in einem Überraschungsmoment Syrien, Jordanien und Ägypten an, um einem befürchtetem Angriff zuvorzukommen und erobert die Golanhöhen, das Westjordanland, den Gazastreifen und die ägyptische Sinai-Halbinsel.
1973 – Jom Kippur-Krieg: Die arabischen Staaten greifen Israel überraschend am höchsten Feiertage Jom Kippur an, um Gebiete von 1967 zurückzuerobern.
1982 – Erster Libanonkrieg: Israel marschiert im Südlibanon ein, um Angriffe aus dieser Region zu unterbinden
2006 – Zweiter Libanonkrieg: Nach der Entführung von zwei israelischen Soldaten durch die Terrororganisation Hisbollah

Zwischen diesen Kriegen hat sich in Israel ein vielfältiger und moderner Staat mit einer starken Demokratie entwickelt. In der Hauptstadt Jerusalem ist der Sitz des israelischen Parlaments, der Knesset, wie auch des Obersten Gerichtshofes.

Das Land hat im Laufe der Jahrzehnte viele Veränderungen durchlaufen. Als Israel gegründet wurde, war es noch eine vom Aufbau geprägte Gesellschaft. Die Ideen der Jahre vor der Staatsgründung, die die Pioniere, die das Land fruchtbar machten und in Kollektivsiedlungen, sog. Kibbutzim, lebten, war noch bestimmend. Über die Jahrzehnte hinweg verlor die Idee eines Kollektivs immer mehr an Bedeutung. Heute hat Israel eine sehr individualisierte Gesellschaft, ist also sehr auf den Einzelnen konzentriert. Der wichtigste Wirtschaftszweig ist mittlerweile High-Tech. Die Gegensätze im Land lassen sich gut an den drei größten Städten zeigen: Jerusalem ist durch die religiöse Bedeutung der Stadt geprägt. Tel Aviv ist die säkulare Hochburg des Landes und Haifa ist durch die Koexistenz zwischen Juden und Arabern geprägt.

Übrigens, 1948, kurz nach der Staatsgründung lebten in Israel 800.000 Menschen, heute sind es etwas mehr als 9 Millionen Menschen.

Bemühungen um Frieden und Terror

Der erste arabische Staat, der Israel anerkannte, war Ägypten. Nach dem Jom Kippur Krieg kam es 1979 unter Vermittlung der USA zu einem Friedensabkommen. Israel hat gemäß dem Abkommen die Sinai Halbinsel an Ägypten zurückgegeben und die in der Zwischenzeit dort entstandenen Siedlungen abgebaut.

Ägypten blieb lange Zeit das einzige Land, das mit Israel Frieden schloss. Dafür wurde Ägypten auch aus der Arabischen Liga ausgeschlossen, da das Abkommen gegen die Politik der Liga verstieß, die einen Boykott Israels vorsah.

Für die Palästinenser bedeutete das keine Veränderung und die Unzufriedenheit über ihre Situation wuchs vor allem unter junge Palästinensern, die im Westjordanland und im Gazastreifen lebten, Gebiete, die seit 1967 unter israelischer Besatzung standen. 1987 brach dort die Intifada aus, ein Aufstand der Palästinenser, die begannen gegen die israelischen Soldaten zu revoltieren. Anfangs beinhaltete der Aufstand vor allem Streiks und Proteste, bei denen Steine auf die israelischen Soldaten geworfen wurden. Das israelische Militär reagierte darauf sehr strikt, was zu einer weiteren Radikalisierung auf palästinensischer Seite führte, was wiederum schärfere Gegenmaßnahmen brachte. Die Gewaltspirale ließ nicht nach.

Anfang der 1990er Jahre kam es schließlich zu ersten direkten Gesprächen zwischen der PLO, den Vertretern der Palästinenser, und Israel. Sie mündeten im sog. Oslo-Friedensprozess und den Oslo Abkommen von 1993 und 1995.

Der israelische Premier Jitzhak Rabin, US-Präsident Bill Clinton und PLO Vorsitzender Jassir Arafat bei dem historischen Händedruck im Weißen Haus 1993

Doch die Hoffnung auf Frieden sollte nicht lange halten. Nur sechs Wochen nach der Unterzeichnung des zweiten Abkommens wurde Premierminister Jitzhak Rabin nach einer Friedensdemonstration erschossen. Der Schock in Israel war groß, denn der Attentäter war nicht etwa ein Palästinenser, sondern ein rechtsradikaler Jude, der den Friedensprozess verhindern wollte.

Doch auch von palästinensischer Seite wurde versucht, den Friedensprozess mit Terror zu zerstören, wie bei einem Anschlag durch einen palästinensischen Selbstmordattentäter, der sich in einem Bus mitten in Tel Aviv in die Luft sprengte und dabei 22 Menschen tötete.

Nach dem Mord an Rabin wurde mehrmals der Versuch unternommen, den Friedensprozess fortzusetzen, doch das ist bis heute nicht gelungen. In Israel rückte die Mehrheit in der Knesset weiter nach rechts (also gegen den Frieden), von palästinensischer Seite nahm der Terror gegen die israelische Zivilbevölkerung zu und mündete in einer zweiten Intifada mit vielen verheerenden Selbstmordattentaten.

2005 hat sich Israel aus dem Gazastreifen zurückgezogen. Seit 2007 wird das Gebiet durch die Hamas kontrolliert, eine radikale Terrororganisation. Immer wieder gibt es Angriffe aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels, mit Raketen und Panzergranaten, mit Ballons, die Brandsätze über die Grenze tragen, mit Versuchen, Tunnels zu graben, durch die Terroristen nach Israel eindringen können. Israel reagiert darauf mit Luftangriffen. Auch wenn dabei versucht wird, die Zivilbevölkerung nicht zu verletzen, ist das nicht immer möglich. Denn die Hamas schießt Raketen aus Wohnhäusern, Schulen und Krankenhäusern und versteckt sich hinter der eigenen Zivilbevölkerung.

Für die Palästinenser ist ein eigener Staat mit (einem Teil von) Jerusalem das Wichtigste. Für die Israelis steht ihre Sicherheit an erster Stelle, denn sie sind immer wieder Attentaten und Raketenbeschuss durch Palästinenser ausgesetzt. Es sieht so aus, als ob ein Frieden noch in weiter Ferne liegt, obwohl es auf beiden Seiten sehr viele Menschen gibt, die sich nichts sehnlicher wünschen.

Und heute?

Das klingt alles eher schrecklich und man kann den Eindruck gewinnen, dass Israel ein vom Krieg gezeichnetes Land ist. Tatsächlich merkt man im Alltag von all dem sehr wenig. Israel ist ein schönes und fröhliches Land mit einer sehr multikulturellen Gesellschaft. Die große Mehrheit davon ist jüdisch, nämlich 74%, die übrigen Einwohner des Landes sind vorwiegend muslimische Araber, christliche Araber und Drusen.

Israel ist ein kleines Land, ungefähr so groß wie das Bundesland Hessen, hat aber sehr unterschiedliche Landschaft zu bieten. Im Süden grenzt das Land an das Rote Meer, wo Korallenriffe zu bestaunen sind. Die große Negev-Wüste hat faszinierende Steinformationen hervorgebracht. Die lange Küstenebene lädt ans Mittelmeer ein. Im Norden wird es in Galiläa hügeliger und im Golan kann man sogar Skifahren.

Israels Gesellschaft ist sehr vielfältig. Man hört auf den Straßen Hebräisch und Russisch, Arabisch und Englisch, Französisch und Jiddisch. Israelis haben Vorfahren aus Polen und Russland, aus Deutschland und Frankreich, aus Marokko und dem Jemen, aus dem Irak und Ägypten. So vielfältig die Gesellschaft, so vielfältig ist auch die israelische Kultur und das israelische Essen. Das macht es Besuchern auch leicht, sich zuhause zu fühlen, denn Israelis sind offen für alles Neue.

Für Jüdinnen und Juden in aller Welt ist Israel aber noch vielmehr als ein quirliges Urlaubsziel. 1950 verabschiedete die Knesset das sog. Rückkehrgesetz, das allen Juden weltweit, sowie ihren Kindern und Enkeln, das Recht gibt, nach Israel einzuwandern und die israelische Staatsangehörigkeit zu erhalten. Auch wenn sie das nicht in Anspruch nehmen, Israel ist ihr zweites Zuhause, ein sicherer Hafen, ihre gefühlte Lebensversicherung. (-> Israel bedeutet für mich – Jüdische Schüler berichten über ihre ganz persönliche Beziehung zu Israel)